Was ist ein KI-Agent – und wann braucht ihn ein Betrieb?

Der Unterschied zu einer gewöhnlichen Automatisierung liegt nicht in der Technik, sondern darin, wer den nächsten Schritt bestimmt. Was das im Betrieb bedeutet.

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Was ist ein KI-Agent? Ein Programm, das eine Aufgabe über mehrere Schritte selbst erledigt: Es liest die Vorlage, entscheidet, was als Nächstes nötig ist, greift auf Systeme zu und meldet sich, wenn es nicht weiterkommt. Eine feste Regel sagt ihm dabei nicht, wie er vorgeht.

Was ist ein KI-Agent: die kurze Antwort

Drei Dinge machen ihn aus: ein Ziel, Zugriff auf Werkzeuge und die Erlaubnis, zwischen mehreren Wegen zu wählen. Lautet der Auftrag „gleiche die neue Preisliste des Lieferanten mit unseren Artikeln ab“, dann sucht der Agent selbst die passenden Artikel, holt sich die alten Preise, rechnet die Abweichung aus und legt strittige Zeilen vor. Ein gewöhnliches Programm bekommt denselben Weg vorgeschrieben: Feld für Feld, Regel für Regel.

Für einen Betrieb ist die Abgrenzung wichtiger als die Bezeichnung. Ein Chatfenster, das Fragen beantwortet, ändert nichts an den eigenen Daten. Ein Agent ändert etwas — deshalb ist die Frage nach seinen Rechten die erste und nicht die letzte.

Der Unterschied zur festen Regel

Die meisten Abläufe sind längst automatisiert, ohne dass jemand von KI spricht: Eine Bestellung im Shop erzeugt einen Lieferschein, ein Zahlungseingang setzt eine Rechnung auf bezahlt, der Tagesabschluss schreibt die Kassenzahlen fort. Das sind Regeln, und sie greifen genau dann, wenn die Eingabe so aussieht wie erwartet.

Kommt die Preisliste diesmal als Foto, in anderer Spaltenfolge oder mit Artikelnamen, die so noch niemand geschrieben hat, hört die Regel auf und ein Mensch arbeitet nach. Genau an diesen Rändern setzt ein Agent an: Er liest, ordnet ein und schlägt vor. Was im Betrieb bereits als Prozessautomatisierung läuft, bleibt bestehen — der Agent ersetzt nicht die Regel, sondern die Nacharbeit an ihrem Rand.

Was heißt, er wählt die Schritte selbst

Das klingt nach Kontrollverlust, meint aber etwas Nüchternes. Der Agent hat eine Liste erlaubter Handgriffe — Datensatz suchen, Wert vergleichen, Aufgabe anlegen, Nachricht schreiben — und entscheidet je Fall, welchen er in welcher Reihenfolge benutzt. Was nicht auf der Liste steht, kann er nicht tun, auch wenn er es für richtig hielte.

Ein Beispiel aus dem Wareneingang: Kommt ein Lieferschein mit einer Artikelbezeichnung herein, die so noch nie jemand geschrieben hat, sucht der Agent die passende Position, schlägt die Zuordnung vor und legt sie dem Einkauf zur Freigabe hin, statt den Beleg abzuweisen. Für jede Schreibweise eine Regel zu schreiben, hätte niemand durchgehalten. Der Agent entscheidet stattdessen je Zeile, ob zwei Namen dieselbe Firma meinen, und legt die zweifelhaften Zeilen vor.

Welche Eingaben, welche Rechte — und was gilt, wenn er sich irrt

Vier Festlegungen gehören in die Beschreibung, bevor gebaut wird. Sie machen den Unterschied zwischen einem Werkzeug und einem Risiko:

  • Eingaben: Was darf er lesen — Postfach, Artikelstamm, Preislisten, Kassenauswertung, Lieferscheine als Foto?
  • Rechte: Was darf er schreiben und was nur vorschlagen? Lesen ja, ändern nach Freigabe, löschen nie ist eine brauchbare Grundeinstellung.
  • Grenzen: Wie oft darf er es versuchen, wann bricht er ab, wann fragt er nach?
  • Spur: Jede Handlung wird protokolliert, mit Zeitpunkt, Grundlage und Ergebnis. Ohne Protokoll ist im Streitfall nicht mehr zu klären, wer was ausgelöst hat.

Wie Papier und Fotos überhaupt maschinenlesbar werden, damit ein Agent sie verarbeiten kann, beschreibt der Artikel zur Belegerkennung per OCR.

Ein Agent irrt anders als eine Maschine. Er bleibt nicht stehen, sondern liefert ein Ergebnis, das plausibel aussieht: Ein falsch zugeordneter Lieferant fällt erst in der Auswertung auf, ein übersehener Preissprung erst auf der Rechnung. Deshalb hängt an jedem Agenten ein Prüfschritt, der nicht von ihm selbst kommt — eine Rechenprobe gegen die Datenbank, eine Plausibilitätsgrenze oder eine Stichprobe durch einen Menschen.

In einem Vorhaben zur Preisüberwachung wurden 1 561 Positionen neu bewertet und unvergleichbare Sprünge herausgefiltert. Getragen hat das nicht die Einschätzung des Modells, sondern die Regel dahinter, die jeden Sprung gegen die Vorgeschichte rechnet. Was im Zweifel geschieht, muss vorher feststehen: liegen lassen, melden oder an einen Menschen geben. Ein Agent ohne diese dritte Antwort erzeugt Arbeit, statt sie abzunehmen.

Was ist ein KI-Agent im Betrieb wert

Er lohnt sich dort, wo häufig Arbeit anfällt, die sich nicht als Regel aufschreiben lässt, und wo ein Fehler auffällt, bevor er nach außen wirkt. Er lohnt sich nicht bei dem Vorgang, der dreimal im Jahr vorkommt, und nicht dort, wo die Eingabe ohnehin schon ein sauberes Formularfeld ist — dann ist die direkte Anbindung zweier Systeme billiger und ruhiger.

Trifft beides zu, ist der Gewinn weniger Nacharbeit an den Rändern eines Ablaufs. Die Ausnahmen verschwinden nicht, sie kommen nur vorsortiert und begründet auf den Schreibtisch. Dafür braucht es jemanden im Haus, der den Agenten verantwortet: der merkt, wenn seine Vorschläge schlechter werden, und weiß, wie man ihn anhält.

Wir setzen solche Abläufe so auf, dass sie ohne uns weiterlaufen — beschriebener Ablauf, Rechte und Freigabepunkte im Angebot, Protokoll von Anfang an, Zugänge und Auswertungen beim Betrieb. Die fachliche Anweisung an unsere Leute gibt unsere Projektleitung; abgenommen wird ein laufender Ablauf, keine Arbeitszeit. Vor dem ersten Bau steht dabei immer ein Abschnitt des Mitlesens: Der Agent schlägt vor, ein Mensch entscheidet, und erst wenn die Vorschläge tragen, bekommt er das Recht, selbst zu buchen. Was dabei in unserer Hand liegt und was im Betrieb bleibt, beschreibt die Leistung KI-Automatisierung.

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